Dr. med. Stephan Schwarzmaier
Dipl. Psych. Beat Schmidiger
lic. phil. Rahel Dudler
lic. phil. Salome Ulmann
Dr. med. Christina Bräker-Kleser
M.Sc. Corinne Heim
M.Sc. Désirée Keller


Aus Erfahrung wissen wir, dass es jungen Menschen oft schwer fällt, sich die Hilfe eines Psychiaters oder Psychotherapeuten zu holen. Einerseits besteht möglicherweise die Vorstellung, dass mit einem etwas nicht stimmt oder dass man als «Psycho» gilt, wenn man eine Therapie in Anspruch nimmt. Andererseits weiss man ja nicht so recht, was einen in der Therapie erwartet. Im Gegensatz z.B. zum Hausarzt oder Zahnarzt ist ein Termin beim Psychiater oder Psychotherapeuten weniger unangenehm: keine Spritzen, keine Blutentnahmen, nur Gespräche. Sicher kann das auch mal weh tun, wenn dadurch unangenehme Gefühle hochkommen, aber wir tun unser Bestes, dich dabei zu begleiten und deine aktuelle Situation zu verbessern.

Damit schon mal im Voraus mögliche Fragen geklärt sind, haben wir die häufigsten beantwortet:


Was ist ein Kinder- und Jugendpsychiater?

Ein Kinder- und Jugendpsychiater oder auch ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie ist ein Arzt, der sich nach dem Medizinstudium auf Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie spezialisiert hat, vergleichbar mit einem Hautarzt, der sich auf Hautkrankheiten spezialisiert hat. Ein Kinder- und Jugendpsychiater lernt während seiner Ausbildung die kinder- und jugendpsychiatrischen Diagnosen, wie man sie stellt und wie die Behandlung aussieht. Dafür hat er auch eine Psychotherapieausbildung und weiss über die richtigen Medikamente Bescheid.


Was ist ein Psychologe bzw. ein Psychotherapeut?

Ein Psychologe hat in seinem Psychologiestudium fundierte Kenntnisse über das Erleben und Verhalten von Menschen, über zwischenmenschliche Beziehungen, über mögliche psychische Probleme und Störungen sowie deren Therapie gelernt. Um sich Psychotherapeut nennen zu können, muss er anschliessend eine mindestens 4 Jahre dauernde, berufsbegleitende Psychotherapieausbildung machen, sowie je mindestens 200 Stunden Supervision und Selbsterfahrung nachweisen können.  


Was ist eigentlich Schweigepflicht?

Die Schweigepflicht bedeutet, dass wir niemandem erzählen dürfen, dass jemand bei uns in Behandlung ist und was besprochen wurde. Dafür gibt es ein Gesetz und wir müssen uns daran halten. Wenn es doch mal wichtig ist, mit anderen zu reden, wie zum Beispiel mit den Lehrern, dann müssen uns das die Sorgeberechtigten unterschreiben und erlauben. Wenn du 14 Jahre oder älter bist, dann fragen wir auch dich, ob du damit einverstanden bist.


Was bedeutet Anamnese?

Die Anamnese ist die Vorgeschichte des jungen Menschen. Für uns sind manchmal ganz viele Kleinigkeiten wichtig, deshalb fragen wir da genau nach. Wir wollen uns ein ganz detailliertes Bild machen, denn nur wenn wir alles richtig verstanden haben, können wir gut helfen und beraten.


Was sind Diagnosen?

Diagnosen sind die Namen von Störungen oder Krankheiten. In einer Arztpraxis werden Patienten behandelt, die auch Diagnosen haben. Das ist manchmal schwierig, weil wir denken, dass gerade bei jungen Menschen nicht alle Schwierigkeiten gleich Krankheiten sind. Deshalb nennt man in der Kinder- und Jugendpsychiatrie diese Krankheiten oft auch Störungen (weil sie einfach stören), zum Beispiel Störung des Sozialverhaltens. Wir sind der Meinung, dass man diese «Störungen» meistens gut behandeln kann und deshalb auch die Diagnosen nicht für immer bleiben müssen.


Warum und wann werden Medikamente gegeben?

Einige der Schwierigkeiten bei jungen Menschen entstehen, weil zum Beispiel bestimmte Botenstoffe im Gehirn fehlen. Dann muss man sich sehr anstrengen, um das auszugleichen. Das geht aber nicht immer, und dann empfehlen wir Medikamente, die gut helfen können. Wir verschreiben nie Medikamente, ohne dass die jungen Klienten und die Sorgeberechtigten auch einverstanden sind, und legen sehr viel Wert darauf, dass eine medikamentöse Behandlung auch sorgfältig abgewogen und durchgeführt wird. Wichtig ist zu wissen, dass Medikamente für die Psyche, sogenannte Psychopharmaka, keine Drogen sind und einen nicht verändern, sondern ein Teil der Hilfen für die schwierige Situation sein können.


Was versteht man unter ...

Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie?

Hier handelt es sich um eine Behandlungsform, die davon ausgeht, dass die Entstehung der heutigen Probleme möglicherweise mit Ursachen aus der Vergangenheit zu tun hat. Durch Gespräche, aber auch Zeichnungen oder Spiele können wir auf Spurensuche gehen und versuchen, mehr darüber herauszufinden und zu verstehen. Im nächsten Schritt arbeiten wir dann daran, diesen «Fehler auf der Festplatte» zu beheben und den jungen Menschen so stark zu machen, dass er seine Schwierigkeiten gut in den Griff bekommst.

Systemisch-integrativer Familientherapie?

Neben dem jungen Menschen als «Hauptperson» in der Behandlung halten wir die Zusammenarbeit mit dem Bezugssystem, also Familie, Schule/Ausbildung oder anderen Mitgliedern des sozialen Umfeldes, für sehr wichtig. Wir können dadurch klären, welche Rolle die Menschen des Umfelds vielleicht bei der Entstehung der Probleme spielen und wie sie bei ihrer Lösung helfen könnten. Diese Sitzungen finden in grösseren Abständen als die Einzeltherapie statt. Wir verwenden dabei bestimmte Methoden und Techniken (Wunderfrage, Familienskulptur, Hausaufgaben u.v.m.), die Verhaltensänderungen und Entwicklungsfortschritte beschleunigen können.

Schematherapie?

Die Schematherapie zielt darauf ab, nicht angemessene und störende Lebensmuster (Schemata) zu identifizieren, ihren Ursprung in der Kindheit zu erkennen, ihre Wirkung auf den heutigen Alltag verstehen zu lernen und sie zu verändern. Man geht man davon aus, dass Menschen von Kindheit an verschiedene Grundbedürfnisse haben. Werden diese über längere Zeit nicht erfüllt, können diese Erfahrungen im Gedächtnis quasi „eingebrannt“ werden und es können Schemata entstehen („Ich bin nicht liebenswert“, „Ich bin ein Versager“). Um solche Gefühlszustände aushalten zu können, entwickeln Kinder Bewältigungsstrategien (z.B. Rückzug, Herausforderung meiden). Sowohl Schemata als auch Bewältigungsstrategien sind (meist unbewusst) auch noch im Jugend-/Erwachsenenalter aktiv, obwohl sie dann meist nicht mehr angemessen sind und dadurch zu Schwierigkeiten führen können.

Egostate-Therapie?

Das Modell der Egostate-Therapie, in den 80er Jahren entwickelt von ihren Begründern Helen und John Watkins, geht davon aus, dass die Persönlichkeit aus verschiedenen Ich-Anteilen (Egostates) besteht. Diese können uns sowohl als tatkräftige Helfer unterstützen als auch unsere sensiblen Bereiche schützen. Sie können uns aber auch blockieren, wenn sie immer und immer wieder ihre alten Programme abspulen, die inzwischen nicht mehr gebraucht werden. Ziel der Egostate-Therapie ist es, die inneren Anteile wieder harmonisch ins "innere Team" zu integrieren und somit die Energie für ein erfülltes Leben zurückzugewinnen.

DBT-A?

Das ist die Abkürzung für «Dialektisch-Behaviorale Therapie für Adoleszente», eine Behandlungsform, deren Hauptziel ist, sich selbst besser einschätzen und steuern zu können und mit dem Umfeld besser zurechtzukommen. Am meisten nützt sie Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die starke Stimmungs- und Gefühlsschwankungen haben, sich evtl. selber verletzen oder immer wieder darüber nachdenken, sich das Leben zu nehmen. Sie wird als Einzeltherapie und als Gruppentraining angeboten und vermittelt viele hilfreiche Fertigkeiten («Skills»).

Provokativer Therapie?

Die Provokative Therapie will durch herausfordernde, humorvolle Kommentare (die keinesfalls verletzen oder beleidigen sollen) die Selbstheilungskräfte, den Widerspruchsgeist und die Selbstverantwortung stärken. Dabei kann viel gelacht und Abstand zu lähmenden Gedanken und Einstellungen hergestellt werden. Dies befähigt den Klienten, sein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und selbstschädigende Verhaltensweisen durch gesünderes Verhalten zu ersetzen.

Kognitiver Verhaltenstherapie?

Die kognitive Verhaltenstherapie kombiniert die kognitive Therapie und die Verhaltenstherapie. Der Begriff „kognitiv" bedeutet „erkennen“. In einer kognitiven Therapie geht es darum, sich über seine Gedanken, Einstellungen und Erwartungen klar zu werden. Das Ziel ist, nicht zutreffende und belastende Überzeugungen zu erkennen und zu verändern. Denn es sind häufig nicht die Dinge und Situationen selbst, die Probleme bereiten, sondern die Bedeutung, die man ihnen beimisst. Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass menschliches Verhalten erlernt ist und daher auch wieder verlernt oder neu gelernt werden kann. In der Therapie geht es darum, herauszufinden, ob es bestimmte Verhaltensweisen gibt, die Probleme verursachen. Im zweiten Schritt wird daran gearbeitet, solche Verhaltensweisen zu ändern.

CIPBS?

CIPBS ist die Abkürzung für „Conflict Imagination, Painting and Bilateral Stimulation“, ein schonendes, ressourcenorientiertes Therapieverfahren zur Trauma- und Konfliktbearbeitung. Hierbei wird die belastende Situation imaginiert, also vor dem geistigen Auge hervorgerufen, das innere Bild gemalt und anschliessend durch eine beidseitige (bilaterale) taktile Stimulation durch Tapping (Klopfen) neu gestaltet. Diese Behandlung eignet sich besonders für Posttraumatische Belastungsstörungen, Angststörungen, v.a. Schulangst und phobische Ängste, Essstörungen und psychosomatische Beschwerden.

PEP?

PEP steht für «Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie», die von Dr. Michael Bohne begründet wurde. Es handelt sich um eine psychotherapeutische Zusatztechnik, die von der Erkenntnis ausgeht, dass Gefühle zu einem grossen Teil aus Körperwahrnehmungen bestehen. Deshalb wird der Körper z.B. durch Klopfen auf Akupunkturpunkte, Augenrollbewegungen, Aussprechen von Affirmationen etc. bei der Veränderung belastender Emotionen mit einbezogen. Möglicherweise wirkt PEP durch eine positive Verstörung neuronaler Netzwerke im Gehirn. Es stellt eine gute, effektive Selbsthilfetechnik für Klienten dar.

Parent-Child-Interaction-Therapy?

Parent Child Interaction Therapy (PCIT) ist ein aus den USA stammendes ambulantes Therapieprogramm für Kinder von 3 bis 6 Jahren. Es wurde zur Behandlung von Störungen des Sozialverhaltens und oppositionellem Verhalten entwickelt. Geeignet ist das Therapieprogramm für Kinder, welche ein ausgeprägtes Trotzverhalten, Wutanfälle, aggressives oder impulsives Verhalten zeigen und sich schwer tun, den Eltern zu folgen. Diese Verhaltensweisen sind für die Kinder und ihr Umfeld sehr belastend. Häufig leidet die Beziehung zwischen Eltern und Kindern darunter. Durch das Therapieprogramm können die Belastungen reduziert, die Beziehung zwischen Eltern und Kind verbessert sowie Verhaltensweisen verändert werden.

Video-Interventionstherapie (VIT)?

Bei der Video-Interventionstherapie (VIT) werden Videos von alltäglichen Situationen erstellt (z. B. Essenssituation, Hausaufgabensituation). Anschliessend werden die Videos gemeinsam mit der Therapeutin angesehen und reflektiert. Bei den Reflexionen geht es zuerst darum, positive Interaktionssequenzen zu erkennen und gemeinsam zu verstehen, wie es gelingt, diese herzustellen. Bei Bedarf können auch dysfunktionale Interaktionsmuster angeschaut und verstanden werden. Ziel ist es, über das gemeinsame Anschauen der Videos ein besseres Verständnis für die Krise oder das Problem zu gewinnen und es auflösen zu können.

Narrativer Expositionstherapie (NET)?

Die narrative Expositionstherapie dient der psychotherapeutischen Behandlung von Personen, die unter den Folgen von Traumatisierung leiden. Sie hilft die Symptome (Alpträume, Ängste, Vermeidungsverhalten, Flashbacks etc.), welche nach Traumaerlebnissen entstehen können, zu reduzieren.